Paul Haggis: Die andere Sicht zu seinem Scientology Ausstieg

Gepostet am Aktualisiert am


Da in der letzten Zeit auch einige Artikel in deutscher Sprache über den “Aussteiger Paul Haggis” veröffentlicht wurden, nahm ich mir die Zeit einen Brief der Schwester von Paul zu übersetzen. Dieser wurde von ihr an den Chef-Redakteur vom “The New Yorker” geschickt, als Gegendarstellung zu einem Artikel der über den “Ausstieg” von Paul Haggis berichtete.

Quelle: http://www.scientologymyths.info/paul-haggis/index.php

Sent: Wednesday, February 16, 2011 5:35 PM
To: David Remnick (The New Yorker, Chief Editor)
Subject: Paul Haggis/The Apostate, Feb. 14

Sehr geehrter Herr Remnick,

Ich beziehe mich auf Ihr Profil über Paul Haggis (The Apostate vom 14. Februar). Wie Sie wissen bin ich Paul’s Schwester und ich unterhielt mit ihm enge persönliche und berufliche Beziehungen während der ersten 18 Jahre seiner Karriere. Während Mr. Wright’s Artikel mit falschen und unwahren Aussagen über Scientology gespickt ist, beziehen sich die Vorwürfe von Paul Haggis insbesondere auf drei wesentliche Punkte:

1. Als Paul im Jahre 2009 seinen “Rücktritt” angekündigt, fand ich es schwer dies ernst zu nehmen, da er sich meines Wissens seit über 20 Jahren nicht mehr innerhalb Scientology engagiert war und auch früher ab 1977 keine wirklichen Fortschritte im Studium der Scientology mehr gemacht hatte.

Aus meiner direkten Beobachtung (und ich sah Paul in der Zeit von 1978 bis 1995 in der Regel jede Woche wenn nicht jeden Tag) hat die Kirche nie etwas anderes als Gutes für Paul getan. Er kam nach Los Angeles mit der Absicht, ein professioneller Schriftsteller zu werden. Er hatte aber keine Erfahrung und auch keine Verbindungen – er war nur ein weiterer Möchtegern. Das Scientology Celebrity Centre, verschaffte ihm die Kontakte die seine Karriere startete. Diese Beziehungen führten zu seinen ersten freiberuflichen Aufträgen und sicherten ihm später den ersten Job als Dramaturg in einer Primetime-Sitcom. Danach war Paul im Geschäft und zog von Show zu Show. Paul wurde sehr gut von der Kirche behandelt, vor seinem Erfolg und auch später. Vor seinem Rücktritt hat er nie über die Angelegenheiten gesprochen, welche er jetzt hervorbringt.

2. Pauls Tochter (welche wie er behauptet diskriminiert wurde, welche aber selbst nie diese Anschuldigung machte) wurde von der Scientology Kirche mit offenen Armen aufgenommen. Ihre sexuelle Orientierung war nie ein Thema und wie ich mit ihr persönlich überprüft habe, war sie mit dem von der Kirche erhaltenen Service sehr zufrieden und freute sich darauf das Scientology-Studium weiterzuführen. Der einzige Grund weshalb sie damit aufhörte war der, dass Paul sie davon abhielt weiterhin teilzunehmen und sie ausserhalb der Stadt aufs College schickte. Wenn ein paar fehlgeleitete Jugendliche später abfällige Bemerkungen im Zusammenhang mit ihrer Homosexualität machten, dann ist dies eine Schande, sagt aber nur etwas über diese Jugendlichen selbst aus, nicht über die Kirche. Die Mitgliedschaft in der Kirche ist jedem offen und spiegelt die Gesellschaft wieder, deren Teil sie ist. Nur wenige homosexuelle Menschen haben wohl nicht die Erfahrung gemacht, dass schlecht über sie geredet wurde,  nachdem sie sich als homosexuell outeten. Allerdings sind alle meine Nichten starke, gebildete und privilegierte junge Frauen, die durchaus in der Lage sind mit solchen Gerüchten umzugehen.

Pauls Verhalten ist auf diesem Gebiet sehr widersprüchlich: Einerseits behauptet Paul, das der Grund für sein Austritt aus Scientology der sei, weil die Kirche bei einer politischen Angelegenheit in Bezug auf Homosexualität in Kalifornien nicht Stellung bezog und die Meinung dazu offen liess. Andererseits bleibt Paul eng mit der römisch katholischen Kirche (RCC) verbunden und unterstützt diese. Er wurde in dieser Kirche während 10 Jahren aufgezogen. Die RCC ist offiziell gegen Homosexuelle eingestellt, ist vielleicht sogar die größte, öffentliche Anti-Homosexuelle Institution auf der Erde. Also, warum distanzierte sich Paul nicht auch von der katholischen Kirche? Warum hat er stattdessen seine Bemühungen verstärkt, die Medien-Aufmerksamkeit auf die von ihm unterstützten katholischen Wohltätigkeitsorganisationen in Haiti zu lenken? Pater Frechette vollbringt auf Haiti eine enorme Leistung und er hat sicherlich Unterstützung verdient. Wenn Paul jedoch die Diskriminierung Homosexueller dermassen heftig ablehnt, warum unterstützt er mit seinem Millionen eine Mission der Römisch Katholischen Kirche? Gibt es nicht andere säkulare Hilfsorganisationen welche den Haitianer auch helfen?

Kurioserweise wirbt Paul auch mit seinen Anerkennungen, welche er von mehreren katholischen Vereinen erhalten hat. Warum gibt er diese Preise nicht zurück und missbilligt öffentlich die diskriminierenden Praktiken der römisch katholischen Kirche?

Ich vermute, Paul würde behaupten, dass er nicht aus der RCC zurücktrete, weil er seit Jahren kein praktizierender Katholik sei. Aber, wie hier bereits aufgezeigt, war er auch kein praktizierender Scientologe. Warum wendet er sich einzig gegen Scientology?

3. Paul versucht die Leser davon zu überzeugen, dass er gründlich über die Mängel innerhalb der Scientology Kirche recherchierte. Er hat sogar gesagt, “Forschung ist etwas, worauf ich stolz bin”

In all den Jahren wo ich mit Paul arbeitete, betrieb er nie Forschung. Ich weiß das, da alle Recherchen von mir persönlich durchgeführt wurden. Und selbst wenn ich ihm die Resultate unter die Nase hielt und mit Kreisen und Pfeilen darauf wies, las er es nicht. (Und Paul, selbst wenn ich die Recherche nicht für dich erledigte, war es deine Frau oder dein Vater oder deine Tochter, oder dein Assistent oder der Praktikant, aber nie und nimmer hast du es selbst getan. Und du hast auch nie ihre Forschung eingesehen, wenn du es vermeiden konntest, nicht wahr? Für das Protokoll: Google-Suche und Links auf Webseiten von Extremisten, qualifiziert nicht als legitime “Recherche”)

Die harte Wahrheit ist – und sogar Paul wird dies zugeben – dass er keine Erfahrung oder Beobachtung über die von ihm behaupteten angeblichen Mängel in unserer Kirche hat. Keine! Also, wenn Sie all den Internet Müll den er selbst las und als eigenes Erbrochenes wieder von sich gab weglassen, was von Pauls Beschwerden hat überhaupt noch eine Berechtigung?

  • Er behauptet, dass er hoffte in der Kirche Rettung/Erlösung zu finden, dort von sich selbst gerettet zu werden, und wurde es nicht.
  • Er las die Erfolge von so Vielen anderen und konnte nicht glauben, dass jemand so glücklich sein kann, oder sich deren Beziehungen so stark verbesserten und war enttäuscht, als er selbst nicht die dieselben Gewinne erreichte.
  • Er beklagte, dass er mit Respekt und Höflichkeit und Freundschaft behandelt wurde, etwas von dem er wohl spürte, dass er es nicht verdiente.

Wie schrecklich!

Paul gesteht in Ihrem Artikel, dass er als sehr fehlerhaftes Individuum zu Scientology kam. Er gesteht halbherzig eine düstere, wenn nicht kriminelle Vergangenheit und nennt sich selbst “ein schlechtes Kind.” An diesem Punkt des nervtötend langwierigen Artikels von Mr. Wright bin ich überrascht, einen unerwarteten Kern von Wahrheit erscheinen zu sehen. Paul’s andauernde Unfähigkeit sich von der Begehung schädlicher Handlungen gegen andere zurückzuhalten, ist die ehrlichste Aussage, die ich jemals von ihm hörte. Ich lobe seine Bemühung sich zu entschuldigen, jedoch nur als Tatsache und nicht aufgrund des Umfanges seiner Entschuldigung. Es lässt jedoch nur erahnen, dass noch ein Eisberg in der Grösse wie bei der Titanic unterhalb der Oberfläche verborgen bleibt.

Paul versagte dabei ein sehr einfaches, aber machtvolles Prinzip der Scientology zu verstehen: “Saubere Hände bescheren ein glückliches Leben”. Wenn ein Individuum sich nicht lange genug an einen ethischen Kodex halten kann, bis man ihm helfen konnte, dann gibt es keine Chance auf Erlösung. Und Paul räumte ein, dass er die Programme welche ihm helfen würden stabile Gewinne zu haben nicht durchführen würde.

Stattdessen nahm Paul Kontakt zu einer Gruppe auf, mit denen er mehr Gemeinsamkeiten hat: andere Apostaten, welche die ethischen Standards der Kirche auch nicht einhalten konnten. In Ihrem Artikel verwendet er deren sorgfältig versteckte Lügen, um den Ruf von Führungskräften der Kirche in den Dreck zu ziehen. Er fügt dann seine eigene Note clever dazu: Er macht eine Menge Lärm darüber, wie in ein paar Jahren die Kirche sich an ihm rächen werde. Ich vermute er hofft darauf, dass diese Aussagen die Menschen dann am Wahrheitsgehalt zweifeln lässt, sollte jemals ans Licht kommen, was auch immer er alles getan hat.

Paul hat immer einen hochkarätigen Kreuzzug geliebt, diesen auf fadenscheinigem “Hörensagen” zu bauen, für welchen Zweck auch immer, ist nicht zumutbar.

Mit freundlichen Grüßen,

Kathy Haggis

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Ein Gedanke zu “Paul Haggis: Die andere Sicht zu seinem Scientology Ausstieg

    Michael sagte:
    Juni 13, 2011 um 6:03 nachmittags

    Super. Es ist schön auch diese Seite zu hören und Sie macht total Sinn.

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