Kindheit und Scientology: Was ist „Scientology Kindererziehung“?

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In letzter Zeit wurden mir sehr viele Fragen darüber gestellt, wie Scientologen Kinder erziehen und was man sich unter einer „Scientology-Kindheit“ wenn es denn so etwas gibt, vorstellen kann.

Dazu ist zuerst folgendes als Grundlage zu beachten:

Wenn Eltern Dianetik und Scientology Bücher studieren, werden sie früher oder später bemerken dass es darin sehr viel Wissen gibt das genutzt werden kann um Probleme in der Kindererziehung zu lösen. Zum Beispiel wie man durch Kommunikation Streitigkeiten lösen kann, wie man einem Kind hilft ein gesundes Selbstvertrauen zu erlangen, wie man dem Kind bei Studierschwierigkeiten hilft, das Kind effektiv über die Gefahr des Drogenkonsums aufklärt indem man die Wirkung von Drogen erklärt usw. Es sind sehr nützliche und vor allem direkt anwendbare Grundlagen, welche sehr viele Bereiche der Kindererziehung abdecken. Der Erfolg der dadurch erreicht wird hängt davon ab, was der Leser daraus macht und wie er es anwendet.

Ich habe soviele Beispiele gehört, wo einfach ein einziger Satz aus einem Dianetik und Scientology Buch genommen wurde und dieser dann als „massgebende Grundlage der Scientology Kindererziehung“ dargestellt wurde, ohne auch nur den Satz davor oder danach zu berücksichtigen.

Nun testen Sie doch mal eine Scientology Grundlage selber indem Sie folgendes Zitat von L. Ron Hubbard nehmen und schauen, wie Sie dieses als Mutter oder Vater anwenden könnten um ein Problem im Zusammenhang mit Erziehung zu lösen. Bitte beachten sie dass L. Ron Hubbard das Folgende als „wichtigste Überlegung“ im Zusammenhang mit dem Aufziehen von Kindern einstuft. Falls wieder mal jemand Ihnen ein verdrehtes Konzept darüber was die Scientologen mit Ihren Kindern anstellen würden, andrehen will, es würde somit trotzdem immer unter Berücksichtigung des Folgenden zu verstehen sein:

Ein guter stabiler Erwachsener mit Liebe und Toleranz im Herzen ist etwa die beste Therapie, die ein Kind haben kann. Die wichtigste Überlegung beim Aufziehen von Kindern ist das Problem, sie zu erziehen, ohne ihren Willen zu brechen. Sie sollten Ihr Kind so aufziehen, dass Sie es nicht kontrollieren müssen, damit es zu allen Zeiten im vollen Besitz seiner selbst sein wird. Das ist ausschlaggebend für sein gutes Verhalten, für seine körperliche und geistige Gesundheit. Aus dem Buch: Scientology – Eine neue Sicht des Lebens, Kapitel „Wie man mit Kindern lebt“

Falls Sie das nächste Mal wütend auf ihr Kind sind und Sie es „verändern“ möchten, dann nehmen Sie sich doch dieses Zitat zu Herzen und schauen Sie, ob sich das Ganze dadurch nicht ein wenig entspannt.

Ganz anders als Scientologen, sieht es zum Beispiel der „Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V.“ welcher auf seiner Website eine völlig verzerrte Darstellung des Inhaltes des Buches „Kinder-Dianetik“ darstellt. Hier ein kleines Muster wie unprofessionell und schlampig der bvvp das Thema angegangen ist:

Auf der Website des bvvp fand ich folgende Aussage:

Kindliche Phantasie wird im Buch „Kinderdianetik“ als psychisch krank definiert. So findet L. Ron Hubbard es „nicht überraschend, daß Kinder Ähnlichkeit mit Psychotikern und Schizophrenen zu haben scheinen“.

Wenn man nun im Buch Kinder Dianetik dieses Zitat sucht und auch einige Sätze weiterliest, dann kann man das Folgende lesen:

„Es ist nicht überraschend, dass Kinder Ähnlichkeiten mit Psychotikern und Schizophrenen zu haben scheinen. Ein Kind kann spielen, dass es ein Schmetterling, ein Pferd oder eine Schachtel ist – es gibt da kaum Grenzen. Es hat eine blühende Phantasie und als Ergebnis wirkt es in einigen seiner Phantasieschöpfungen wie ein Psychotiker. Der Unterschied ist, dass ein Kind dies als Übung machen mag, während ein Psychotiker es tut, weil er es tun muss. Wenn das Kind jedoch nicht aufhören kann ein Schmetterling zu sein, dann haben wir ein Kind mit einer Aberration*. Es steckt in der Valenz** des Schmetterlings fest. Wenn das Kind Valenzen wechselt und ein Schmetterling, eine Blume oder ein Cowboy sein möchte, dann ist damit wahrscheinlich nichts verkehrt. Wenn es jedoch in einer dieser Valenzen hängenbleibt, haben wir ein Problem vor uns.“

*Aberration: Ein Abweichen vom vernünftigen Denken oder Verhalten.
(Von lat. aberrare = abirren, fortwandern)
** Valenz: eine falsche oder wahre Identität. Eine Valenz ist eine
tatsächliche oder eine Schattenpersönlichkeit; jemandes eigene Valenz ist
seine wirkliche Persönlichkeit.

Nirgends wird hier kindliche Phantasie als psychisch krank definiert. Wie geistig umnachtet muss man sein, um so eine Behauptung aufzustellen, wenn man den ganzen Absatz liest? Schlampig und unprofessionell ist dies allemal es ist jedoch auch naheliegend, dass es sich hier um eine ganz gezielte Manipulation des bvvp handelt. Wenn der „Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten“ so perfide manipulierende Statements veröffentlicht, ist zumindest mein Vertrauen in diese Gilde recht klein. Gerne würde ich eine Stellungnahme dieses Verbandes dazu hören.

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2 Kommentare zu „Kindheit und Scientology: Was ist „Scientology Kindererziehung“?

    Dencka sagte:
    April 29, 2009 um 2:20 pm

    Hmmm, ich mag mich ganz schwer irren und vieles nicht richtig verstanden haben, aber wenn ich nicht allzu sehr irre, besteht die Scientology bzw. Dianetik aus verschiedenen ‚Techniken‘, mit denen ‚Situationen gehandhabt‘ werden…

    Religo: Korrekt, du hast vieles nicht korrekt verstanden und zudem bist du auch nicht bereit meine früheren Antworten auf deine Kommentare oder diejenigen von Sisu mit einzubeziehen. Ja, Dianetik und Scientology haben auch verschiedene Techniken die zur Verbesserung von Lebenssituationen angewendet werden können.

    Also nun folgende Gedankenkette:
    Wenn also ein Kind eine sog. Valenz hat, die es aus irgendwelchen, nicht krankhaften Gründen länger als gewünscht beibehält, und der Auditor der Ansicht ist, daß diese Valenz eine sog. Aberration ist, möglicherweise sogar irreparabel (wenn es sowas gibt), so wendet er oder eine sonst mit dem Kind befasste Person eine Technik an, um das *Problem‘ zu ‚handhaben‘ und somit zu lösen, d.h. das Kind wird wieder in die *wirkliche‘ Valenz gem. Dianetik bzw. Scientology zurückgeholt.

    Religo: Deine Gedankenkette ist deine Gedankenkette und diese kannst du so auf alle pädagogischen Grundlagen anwenden, um diese schlecht darzustellen. Vielleicht hast du selbst ja wirklich keine Erfahrung mit Kindern oder du unterstellst den Scientologen einfach blind manipulatorische Absichten. Jedes Wissen über den Menschen und zwischenmenschliche Beziehung kann für schädliche Zwecke missbraucht werden.
    Deine „Gedankenketten“ basieren alle auf der Vorstellung dass die „Techniken“ in sich negativ oder gar schädlich sind oder zumindest der Anwender alles verkehrt rum versteht.

    Wird denn da überhaupt die invidivuelle Persönlichkeit des Kindes berücksichtigt oder (man verzeihe mir bitte die folgenden ‚flapsigen‘ Formulierungen) wird einfach nur das ‚Handbuch für Kindererziehung‘, hier genannt ‚Kinder-Dianetik“, auf Seite XYZ aufgeschlagen und die Technik Nr. ZYX angewendet, die meinetwegen besagt ‚Konfrontiere das Kind so lange mit seiner Aberration, bis es seinen Fehler einsieht und sich wieder ’normal‘ verhält.‘? (Und wenn das mal nicht ‚funktionieren‘ sollte, wird halt die Technik Nr. ABC von Seite CBA genommen…)
    Wenn’s tatsächlich so sein sollte, erinnert mich das doch ein wenig an eine ‚Uhrwerk-Orange‘, nur daß hier mit Hife des ‚Technik-Handbuchs‘, das keine individuellen Abweichungen zulässt, auch der letzte ‚freie Wille‘ beseitigt und das kleine Menschlein so zu einem kleinen Roboter gemacht wird, der gem. den Techniken der Dianetik bzw. der Scientology funktioniert.
    Ist dann einmal eine ‚Fehlfunktion‘ vorhanden, so wird einfach immer der grüne oder rote Knopf so lange gedrückt bzw. die entsprechende Technik so lange angewandt, bis alles wieder einwandfrei funktioniert.
    Also insgesamt sehe ich das doch als manipulatorische ‚Maßnahmen‘, die wohl nicht immer im Sinne eines an Körper und Geist gesunden Kindes sein können.

    Religo: Obwohl ich den Eindruck habe dass deine Frage keine wirkliche Frage sondern eher als Einleitung zu einer ausgedehnten Beschuldigung verstanden werden muss, gehe ich grundsätzlich darauf ein. Wie oben gesagt lässt sich alles mechanisch und unpersönlich anwenden. Es gibt Lehrer, welche das Prinzip „Disziplin muss sein“ konstruktiv anwenden und es gibt solche die es destruktiv einsetzen um ein Kind zu „biegen“.
    Wenn jemand den im Artikel zitierte Satz „Ein guter stabiler Erwachsener mit Liebe und Toleranz im Herzen ist etwa die beste Therapie, die ein Kind haben kann“ als Grundlage wirklich verwendet, besteht dieses „hypothetische Problem“ nicht. Im Gegenteil, als weiteres wichtiges Merkmal der Scientology Grundlagen ist, dass jeder Mensch egal ob jung oder alt als eine individuelle Persönlichkeit gesehen wird.

    Und wo bleibt bei all dem der religiöse Grundgedanke? Oder wird hier der christliche Erlösungsgedanke ‚Jesus (hier als Sinnbild für die kindliche Unschuld) wurde ans Kreuz genagelt, um die Menschen (hier: die Seele/Thetan) zu erlösen‘ ‚angewendet‘?
    (Man verzeihe mir bitte diese krasse Darstellung)

    Religo: Nein, grundsätzlich verzeihe ich dir die krasse Darstellung nicht, denn du hast das Recht dich so zu äussern wie du es siehst, daher gibt es nichts das irgendwer „verzeihen“ müsste.
    Die erneute Frage nach der Religiosität und die Verwendung der „Kreuzigung Jesu“ als entscheidende „Messlatte“ zeigt bloss dass es für dich ausserhalb des Christentums überhaupt keine Religionen zu geben scheint. Lies doch bitte nochmals die Antwort auf deinen früheren Kommentar auf der Seite „Religion?“, vielleicht verstehst du meine Sicht danach doch etwas besser. Hier der Link dazu: https://religo.ch/about/

    […] 2. In dieses menschenverachtende Menschenbild passt auch die Darstellung, dass Kindern jede Liebe verweigert wird und diese in der Folge ebenfalls zu kleinen Robotern verkommen. Auch hier handelt es sich um eine überaus bösartige und menschenverachtende Suggestion. Die Liebe zu einem Kind und die kindgerechte Behandlung ist ein Schlüsselfaktor im Umgang mit ihnen. Es ist Teil unserer Lehre, Kinder mit dem GLEICHEN RESPEKT zu behandeln, wie einen Erwachsenen, d.h. dass man sie ernst nimmt, ihre Ängste, ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse. Hubbard war strikt gegen die Erziehungsmethoden der Vergangenheit, bei denen man dazu tendierte Kinder wie “kleine Hunde” abzurichten. Er wollte Kinder mit Liebe und Respekt behandelt sehen, wobei man ihre Freiheit und Selbstbestimmung so wenig wie möglich einschränkt. Link zum Thema Scientology Kindererziehung […]

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