Finanzkrise: Island bewältigte die Bankenkrise am Besten

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Olafur R. Grimsson, Präsident von Island, sprach am 29. November in einem Bloomberg Interview das aus, was viele einfache Bürger schon lange vermuteten. Die Zulassung von Bankeninsolvenzen ist weitaus erfolgreicher als hysterischen Warnungen der Finanzinteressen nachzugeben und die Banken auf Kosten der Bevölkerung mit Geld auszustatten.

„Das waren alles private Banken, und wir gaben ihnen keine Liquiditätsspritzen, damit sie weitermachen könnten“, sagte Grimsson, „der Staat kann nicht die Verantwortung für bankrotte Privatbanken übernehmen.“

Am Anfang des Jahres hatte die isländische Regierung ein drakonisches Rettungspaket, wie jetzt in Irland, beschlossen. Das Parlament hatte schon zugestimmt, doch Grimsson ließ das Volk darüber abstimmen, was mit seinen Steuergeldern passiert und ob es die massive Sparpolitik, die notwendigerweise die Folge gewesen wäre, für ein paar private Banken auf sich nehmen würde. Die Isländer lehnten mit großer Mehrheit ab.

„Island geht es weitaus besser, als irgend jemand erwartet hätte“, sagte Grimsson. Das Volk mußte abstimmen, denn „wie weit können wir ganz normalen Menschen – Bauern, Fischern, Krankenschwestern, Ärzten und Lehrern – zumuten, die Verantwortung für bankrotte Privatbanken zu tragen? … Und genau diese Frage, die im Mittelpunkt der Icesave-Pleite stand, wird nun zum brennenden Thema in vielen europäischen Ländern.“

Nachdem Island damals die Rettungsaktion abgelehnt hatte, lenkte der IWF schließlich ein und gab ein Darlehen von 4,6 Mrd. Dollar frei. Nun brauche Island vielleicht noch nicht einmal den ganzen Betrag, so der Präsident. Islands bankrotte Banken wurden aufgespalten, so daß die 85 Mrd. Dollar Schulden bei ausländischen Profitjägern von den inländischen Bankgeschäften abgetrennt wurden. Damit blieben die Banken für die nationale Wirtschaft funktionsfähig.

2 Kommentare zu „Finanzkrise: Island bewältigte die Bankenkrise am Besten

    Topper sagte:
    Januar 14, 2011 um 1:08 pm

    Es ist wirklich erstaunlich, denn auch die Inflationsrate ist mittlerweile von über 20 % auf unter 4 % gesunken (Quelle: http://de.global-rates.com/wirtschaftsstatistiken/inflation/verbraucherpreisen/hvpi/island.aspx). Und was ist mit den 85 Mrd. passiert? Müssen die von den Gläubigern abgeschrieben werden? Ist Island eigentlich selbst bankrott gegangen oder nur die Banken?

    Geht ein Staat bankrott, dann müssen die Hauptgläubiger ihre Forderungen abschreiben, was unter Umständen zu einem weiteren Bankrott des Gläubigerlandes führt usw. Es käme also eine Kausalkette in Bewegung die vermutlich zum Bankrott der gesamten Welt führen würde.

    Ob das wirklich schlecht ist? Die Ökonomie ist dermaßen komplex, dass das schwer zu sagen ist. Grundsätzlich ist ja Fieber (= Bankrott) eine gute Sache, um wieder gesund zu werden und die Krankheit (= Überschuldung) wieder los zu werden. Das Problem ist nur, wenn alle zur selben Zeit krank sind. Besser wäre es natürlich, wenn nicht alle gleichzeitig bankrott sind und es Staaten, Konsumenten & Unternehmer gibt, die investieren und kaufen. Wenn alle zugleich bankrott gehen und dann sparen … dann sähe es schlimm aus in der Welt. Es würde vermutlich Jahre dauern, bis sich das gesamte System wieder hochfährt. Es würde zu größeren Umbrüchen kommen (= wovor die Elite Angst hat). Auch für den Normalbürger würde es große Veränderungen mit sich bringen.

    Vielleicht bringt der Weltbankrott aber auch Vorteile? Normalerweise würde bei einem Bankrott die Landeswährung gegenüber anderen Währungen stark abwerten. Wenn diese aber auch bankrott sind, dann müssen wohl alle abwerten … und das Verhältnis der Kaufkraft bleibt vielleicht erhalten? Früher oder später führt sowieso kein Weg daran vorbei, eine Entschuldung durchzuführen. Die Big Player sind sicher gerade dabei sich darauf vorzubereiten und sich noch gewisse Vorteile zu sichern.

    religo sagte:
    Januar 14, 2011 um 9:20 pm

    Der Goldpreis zeigt, wann die grosse Show anfing und auch wann sie im Rahmen einer Währungsreform wieder endet.
    Korrekt ist, dass kein Weg an der Entschuldung der Wirtschaft vorbeiführt. Das Ausmass des Chaos das entstehen wird, ist einfach umso grösser, je länger diese mittels „Bankenrettungen“ verzögert wird.

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