Verharmlosung der Nebenwirkungen von Ritalin unter „mit-kindern-lernen.ch“


Eine äusserst interessante Verharmlosung der Nebenwirkungen von Ritalin findet man auf der Website von „mitkindernlernen.ch“.
Zwar werden einige der Nebenwirkungen korrekt erwähnt aber alles nur als sei es nicht wirklich schlimm und Ritalin an sich völlig harmlos. Es sei ein Vorurteil, dass Eltern leichtfertig mit dem Aspekt der Nebenwirkungen und Medikamentenabhängigkeit umgehen würden, wenn diese ihren Kindern Ritalin geben lassen. Alles sei nur ein Vorurteil.
Aber statt selbst im gleichen Muster wie dort eine Verharmlosung betrieben wird, eine Verteufelung zu betreiben, möchte ich hier etwas mehr Substanz bringen. Ich vergleiche hier somit einfach die Aussagen auf der Website mit dem offiziellen Beipackzettel des Medikaments selbst geordnet nach sehr häufig und häufig:

mitkindernlernen.ch
Die Nebenwirkungen von Ritalin & Co sind überwiegend gering, vornehmlich von vorübergehender Dauer und treten nach dem Absetzen der Medikation meist nicht mehr auf. [….] Am häufigsten kommen Durchschlafprobleme und Appetitverminderung vor. Stark ausgeprägt sind diese vor allem dann, wenn die Kinder die Medikamente nicht nur vormittags zu Verbesserung der Konzentration in der Schule, sondern auch nachmittags einnehmen. Bauch- und Kopfschmerzen sind ebenfalls bekannt. Unwillkürliche Zuckungen oder Lautäußerungen, sogenannte Tics, kommen in 1-2 % der Fälle als Folge der medikamentösen Behandlung auf. Bereits bestehende Tics können sich durch die Medikation verschlimmern – es sollte daher unbedingt darauf verzichtet werden, das Medikament an Kinder abzugeben, die bereits Tics zeigen. Weinerlichkeit und traurige Verstimmtheit können auftreten, häufig sind sie Ausdruck einer zu hohen Dosierung des Medikaments. Eine Blutdruckerhöhung ist gelegentlich eine Begleiterscheinung der Behandlung mit Psychostimulanzien. Die in der Öffentlichkeit immer wieder diskutierten Wachstumsverzögerungen, wurden in früheren Studien vor allem für die Langzeitbehandlung mit Psychostimulanzien vermutet. Diese Vermutung konnte in neueren gut kontrollierten Studien zum Teil bestätigt, zum Teil widerlegt werden. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass die Stimulanzienbehandlung die Knochendichte negativ beeinflussen kann.

Bei Kindern mit epileptischen Anfällen sollte eine medikamentöse Therapie der Verhaltensauffälligkeiten genau abgewägt werden. Die Forschung zeigt, dass Anfälle durch die Medikation ausgelöst werden können, andererseits gibt es auch Studien, die belegen, dass sich die Anzahl der Anfälle bei epileptischen Kindern durch die Behandlung mit Psychostimulanzien sogar verminderte.

Bisher sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt geworden, die bestätigen,
dass Psychostimulanzien körperlich abhängig machen (Stand: 2018). Andere Bedenken gehen in die Richtung einer psychischen Abhängigkeit, betreffen also die Frage, ob Kinder eher zu Medikamenten oder Drogen greifen, wenn sie seit frühester Kindheit erfahren, dass sich Schwierigkeiten mit Tabletten & Co. lösen oder verbessern lassen. Bisherige Studien konnten diese Befürchtungen nicht bestätigen, zeigten teilweise sogar, dass sich das Risiko für eine Suchtentwicklung durch eine gezielte Behandlung der Kernsymptome vermindern ließ. Eine Dosissteigerung zur Erhaltung der Wirkung der Medikamente ist in der Regel nicht notwendig bis das Kind wächst und an Gewicht zunimmt.

Beipackzettel Ritalin:
Psychiatrische Erkrankungen*
Sehr häufig (bedeutet bei mehr als 1 von 10 Fällen): Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen

Häufig (bedeutet bei mehr als 1 von 100 Fällen): Appetitlosigkeit, rasche und starke Stimmungsschwankungen, Aggression*, Unruhe*, Angst*, Depression*, Reizbarkeit, anormales Verhalten, Schwindel, unkontrollierbare Bewegungen, körperliche Unruhe, Schläfrigkeit, unregelmäßige Herztätigkeit, beschleunigte Herztätigkeit, Herzklopfen, Husten, Rachen- und Kehlkopfschmerzen, Haarausfall, Juckreiz, Hautausschlag, Nesselausschlag, Gelenkschmerzen, Fieber, Wachstumsverzögerung unter längerer Anwendung bei Kindern, Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz (meist eine Erhöhung), Gewichtsabnahme

Analyse:
Der Ritalin Beipackzettel listet insgesamt 31 Nebenwirkungen in der Kategorie „sehr häufig“ und „häufig“ auf.
Die Seite http://www.mitkindernlernen.ch erwähnt insgesamt nur 10 Nebenwirkungen. Darunter sind 2 von 3 Nebenwirkungen der Kategorie „sehr häufig“ und 8 von 28 der Kategorie häufig erwähnt. Die Seite sieht sich auch noch „gezwungen“ auf schlechte Dosierung und Studien die dafür und gegen eine bestimmte Nebenwirkung sprechen hinzuweisen.

Man lässt also 2/3 der Nebenwirkungen unerwähnt und den Rest versucht man noch in ein etwas schöneres Mäntelchen zu verpacken. Es fragt sich ob sich die Organisation wirklich für das Wohl der Kinder einsetzt oder als PR Front für die Verharmlosung von Ritalin dienen soll.

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