Ist Scientology eine Religion?

Gemäss Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 05.04.07 ist Scientology klar als Religionsgemeinschaft einzustufen

Gutachten von Experten: Scientology ist eine Religion!
Per-Arne Berglie, Professor für Religionsgeschichte, Universität Stockholm, Schweden
Harri Heino, Professor für Theologie, Tampere, Finnland
Alan W. Black, Außerordentlicher Professor für Soziologie, Universität von Neu-England, Armidale, New South Wales, Australien
David Chidester, Professor für vergleichende Religionswissenschaft, Universität Kapstadt, Südafrika
Frank K. Flinn, Ph.D., Außerordentlicher Professor für Religionswissenschaft, Universität Washington, Saint Louis, Missouri, USA
Lonnie D. Kliever, Dr. Phil., Professor für Religionswissenschaft, Southern Methodist University
Dallas, Texas, USA

(Eine Entgegnung von Jürg Stettler, Pressesprecher der Scientology Kirche Schweiz zur Abhandlung von Georg Otto Schmid auf der Website Relinfo.

Der Artikel auf relinfo gibt sich den Anschein eine wissenschaftliche Abhandlung oder Betrachtungsweise zu sein. Er weist aber einige zumindest heikle Aussagen, beweisbar falsche Behauptungen auf und setzt sich mit wissenschaftlichen Informationen überhaupt nicht auseinander. Wir möchten dazu eine Stellungnahme abgeben.

Hubbard entwickelte vor seinen Schriften über Scientology die Dianetik, die einen ganz anderen Ansatzpunkt als Ausgangsbasis beanspruchte. „Dianetik“ beantwortet die Frage, welchen Einfluss die menschliche Seele auf den Körper ausübt. „Scientology“ beantwortet die religiös-philosophischen Fragen über die Existenz der menschlichen Seele und ihre Verbindung zum physikalischen Universum und zu anderen Wesen und Lebewesen. Erst im Verlaufe der Erfahrungen, die mit der Dianetikmethode gemacht wurden, kam Hubbard zum Schluss, dass seine Suche nach Antworten zu den Problemen des Lebens in das Gebiet der Religion führten. So konnten sich Leute, die ursprünglich Erfahrungen mit Dianetik machten, an frühere Existenzen erinnern, an früheres Sterben, womit eigentlich der Nachweis erbracht wurde, dass eine unsterbliche Seele existiert, die sich vom materiellen Universum unterscheidet und eine von ihm unabhängige Existenz führt. Diese Erkenntnisse führten denn auch zu Erklärungsansätzen über die Entstehung und Aufrechterhaltung des materiellen Universums sowie den Zusammenhang mit einem unsterblichen spirituellen Wesen. Diese Transzendenz ist aber ein wesentliches Religionsmerkmal und genau aus diesem Grund beanspruchen Scientologen für ihre spirituellen Ueberzeugungen und Erfahrungen die Anerkennung als Religion.

Es sei hier nur nebenbei erwähnt, dass die rechtliche Definition von Religion, die vom Bundesgericht benutzt wird, auf die Scientology Religion zutrifft und diese daher den verfassungsmässigen Schutz der Religionsfreiheit in Anspruch nehmen kann.

Diese Sichtweise wird zum heutigen Zeitpunkt von Dutzenden renommierter Religionswissenschaftlern geteilt und Scientology wurde bisher von 22 Nationen offiziell als Religion anerkannt und von vielen weiteren in Gerichtsurteilen und Behördenbeschlüssen als solche bestätigt.

Der Schreiber des Artikels setzt sich weder mit der historischen Entwicklung noch mit den wissenschaftlichen Schriften oder behördlichen Entscheidungen auseinander. Er beschränkt sich darauf, auf angebliche Zitate von Hubbard zu verweisen, wobei er die Angaben über die Fundstellen (insbesondere auch deren Zeitpunkt) schuldig bleibt – eine unwissenschaftliche Vorgehensweise.

Die Scientology Kirche wurde 1954 – nicht wie behauptet 1955 – gegründet und Hubbard betonte bereits seit 1952 in Dutzenden von Vortragen und Schriften, dass Scientology eine religiöse Philosophie und Religion ist. Es sei hier nur auf das Glaubensbekenntnis hingewiesen.

zu 1) Auch bei der Information auf der Strasse wird regelmässig auf den spirituellen Aspekt eingegangen, so z.B. bei den Informationsständen der ehrenamtlichen Geistlichen oder bei der Verteilung von Einladungen für die Sonntagsandacht.

Der Autor ignoriert, dass die Scientology Religion eine religiöse Philosophie – Weisheitslehre – ist. Scientology tritt in Griechenland seit Jahren als religiöse Gemeinschaft auf, die ihre Religionsphilosophie verbreitet. Hier wird erneut etwas konstruiert, das mit der Wirklichkeit nichts gemein hat.

zu 2:) Zum einen etabliert der Verfasser der Studien willkürlich drei Kriterien, wieso sich Scientology als Religion betrachtet. Wenn man die Schriften Hubbards tatsächlich studiert, so sieht man nach kurzer Zeit, dass seine Thesen zur Religion viel tiefgründiger sind, als dies in diesen drei willkürlichen Thesen des Verfassers aufgezeigt werden soll.

Gutachten renomierter Religionssoziologen zeigen auf, dass die Scientology Religion tatsächlich in ihren Lehren auf Wurzeln östlicher Traditionen zurückzuführen ist. Das wohl wichtigste und bekannteste Beispiel betrifft die Ueberzeugung der Seelenwanderung von einem Leben ins andere, welche von östlichen Religionsrichtungen geteilt wird. Da es sich bei Scientology tatsächlich um eine Religion handelt, feiert sie wie andere Religionen und nicht nur christliche, Uebergangsriten wie z.B. die Namensgebungszeremonie, die Hochzeitszeremonie oder Begräbnisfeiern. Scientology behauptet somit nicht nur eine Religion zu sein, sie ist eine breit anerkannte Religion.

Der Autor zeigt denn auch, dass er einige wesentliche Ueberzeugungen der Scientology Religion missverstanden hat, wenn er behauptet, dass „der Mensch bei Anwendung scientologischer Techniken zu einer Ueberschreitung seiner natürlichen Möglichkeiten komme“.
Das Ziel der Scientology ist nicht das Ueberschreiten natürlicher Möglichkeiten, sondern deren Wiedererlangung und so der Erlösung von den Leiden menschlicher Existenz. Ein Konzept das sich in vielen östlichen Religionen findet.

Offenbarung spielt bei Hubbard tatsächlich keine Rolle. Der Autor geht bei seiner „Analyse“ von den sogenannten Offenbarungsreligionen aus. Nicht jede Religion ist jedoch eine solche und Scientology gehört wie andere – so z.B. der Buddhismus – auch nicht dazu.

Wieso die Ueberprüfbarkeit religiöser Prinzipien gegen Religion sprechen sollen, ist unverständlich. Auch im Christentum ist die Anwendung der 10 Gebote und deren Auswirkungen nachprüfbar. Ein gottesfürchtiges Leben führt auch im Christentum zu mehr Glück und diese Umstände sind überprüfbar.

Die vom Autor ins Feld geführte Argumentation betreffend religiöser Termini funktioniert nur unter der Prämisse, dass Scientology keine Religion sei, welche angesichts überwältigender Gegenbeweise obsolet wird. Verschiedene Religionswissenschaftler haben dies bestätigt.

Weiter wird behauptet, dass die Gebräuche erst spät in die Scientology eingeführt worden seien. Nun die erste Veröffentlichung der Zeremonien der Kirche erschien 1959 in zusammengefasster Form. Zeremonien wurden schon kurz nach Gründung der Kirche im Jahre 1954 durchgeführt.

Die Scientology Kirche basiert ihr eigenes Selbstverständnis denn auch nicht nur auf den Zeremonien, sondern auf der Gesamtheit ihrer Lehren und Doktrinen, die studiert und angewendet werden.

Auch die „Hingabe“ der Mitglieder wird von Scientology nicht als Religionskriterium verstanden, gibt es doch viele Mitglieder, die sich relativ selten mit dem Studium der religiösen Lehren befassen. Hier wird eine irrelevante „Beweisführung“ durch den Autor zelebriert.

Die Scientology Kirchen in der Schweiz sind als Verein, somit nicht als privatwirschaftliche Firmen organisiert. Dies gilt im übrigen auch für die Kirche in anderen Ländern, wie z.B. Deutschland und Frankreich. Deren idealistische Zielsetzung wurden von verschiedensten Behörden und Gerichten bestätigt.

Die Werke von L. Ron Hubbard sind tatsächlich urheberrechtlich geschützt, das ergibt sich automatisch aus dem einschlägigen Gesetzen. Diese Rechte liegen nicht beim RTC sondern gehören der L. Ron Hubbard Library. Die Kirchen zahlen keine Urheberrechtsgebühren an das RTC.

Die Scientology Kirche hat ihr eigenes System der Finanzierung ihrer religiösen Tätigkeiten. So wie die christlichen Kirchen via Kirchensteuern, Spenden und Zahlung der Pfarrstellen durch den Staat finanziert werden, entrichten Mitglieder der Scientology Kirche Mitgliederbeiträge. Entgegen der Behauptung richtet die Kirche jedoch auch Stipendien aus für religiöse Studien oder sie führt ein sogenanntes freie Scientology Zentrum und stellt der Oeffentlichkeit eine eigene Bibliothek zur Verfügung. Die Kirche kennt noch andere Instrumentarien um ihren Mitgliedern einen leichten und schnellen Zugang zu den Lehren und Doktrinen und ihrer Seelsorge zu vermitteln. Im übrigen verlangen sogar die Landeskirchen für gewisse Dienste festgelegte Zahlungen.

Und wieder einmal wird das Zitat „Make money, make more money“ missbräuchlich herangezogen. Diesen Satz gibt es tatsächlich. Er steht in einer einzelnen Anweisung an den Kassier des Vereins dafür zu sorgen, dass die Rechnung ausgeglichen wird, wenn Defizite erwirtschaftet werden.
Wer die Einnahmen und Ausgaben eines Scientology Vereines studiert, kann nur den Kopf schütteln, wenn ihm „Gewinnmaximierung“ vorgeworfen wird.
Interessant ist ja auch ein Vergleich der „Umsatz“-zahlen der reformierten Kirche des Kantons Zürich und der der Scientology Kirche. So „erwirtschaftet“ (um die Terminologie des Verfassers weiterzuführen) ein Mitarbeiter der reformierten Kirche 10x mehr „Umsatz“ als ein Mitarbeiter der Scientology Kirche. Ist die reformierte Kirche deshalb ein Mega-Konzern?

Die Schlussfolgerung dieses Artikels bleibt denn auch aufgrund der wissenschaftlichen Unhaltbarkeit sehr wage und erklärt es als nicht ratsam, Scientology den Religionsstatus zuzubilligen. Seriöse Wissenschafter habe dies jedoch längst gemacht.


2 Kommentare zu „Ist Scientology eine Religion?

    Celinda sagte:
    Mai 22, 2013 um 8:17 am

    I tend not to write a ton of responses, however
    i did a few searching and wound up here Ist Scientology eine Religion?
    | Dianetik und Scientology Insiderwissen und unbequeme Gedanken zum Weltgeschehen.
    And I actually do have some questions for you if it’s allright. Is it just me or does it give the impression like some of these comments come across like they are written by brain dead folks? 😛 And, if you are posting on additional sites, I’d like to keep up with everything fresh you have to post.
    Would you make a list of every one of your shared pages like your twitter
    feed, Facebook page or linkedin profile?

      religo sagte:
      Juli 3, 2013 um 11:36 am

      Hi Celinda
      At the moment there are not a lot of new posts.
      Your question regarding „brain death folks“ is best answered by yourself.
      My opinion: You look like a „brain dead“ person!
      Kind regards
      Dirk

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s